Ich hab grad das große Glück meiner alten Zeichentrickleidenschaft in vollen Zügen fröhnen zu können und wieder einmal bin ich froh, daß meine Englischkenntnisse wenigstens einseitig ganz gut ausgebildet sind.
Wenn's darum, geht mich in Englisch zu artikulieren, dann setzt mein Hirn aus. Aber verstehen kann ich fast alles, sofern es sich nicht um ein wissenschaftliches Traktat über die relative Phaseninkoherenz der bipolaren Sublimentaranalyse von neuronalen Quanten geht. Ok, daß war jetzt Geblubbert, aber ihr wißt, was ich meine. =)
Warum ich das schreibe? Nun, weil ich mich grad durch die erste Staffel der "neuen" Turtles gucke, also die Serie, die zwischen 2003 und 2009 entstanden ist und auch wenn es zwei der sieben Staffeln nach Deutschland geschafft haben, will ich mir lieber nicht die "verbesserten" Versionen von RTL II antun. Ich kann mich bei den alten Turtles nicht dazu überwinden, die Folgen auf englisch und damit ungeschnitten anzugucken, weil ich einfach mit den deutschen Stimmen großgeworden bin und wenigstens einmal die gesamten Folgen eben so gesehen haben muß, bevor ich mich schweren Herzens davon abwende und mit Wehmut sehen muß, was schon in meinen Kindertagen an den Sendung rumgepfuscht worden ist.
Aber ich will mich nicht schon wieder über Zensur auslassen. Nur soviel, wenn eine Sendung nix für Kinder ist, dann laßt es um Himmelswillen aus dem Nachmittagsprogramm, ganz zu schweigen, daß die Eltern die Verantwortung tragen, was geglotzt wird. Und später, wenn die Kinder alt genug sind, um selber ihr Programm zu wählen, dann haben ihre Eltern ihnen entweder ihren Job gemacht und sie können zwischen Realität und TV unterscheiden oder es ist eh schon zu spät. Soviel von einem, der zwei Kinder hat und selber mit TV und Computerspielen aufgewachsen ist. Mehr Rückrat und vernünftige Werte und weniger Zensur.
Und nu wieder zurück zum eigentlichen Thema. Ich schau mir wie schon geschrieben grad die aktuelle Turtles Zeichentrickserie an und muß gestehen, hätten die alten Turtles (1987 bis 1996, nicht die Ur-Turtles), nicht den absoluten Nostalgiebonus, so müßte ich sagen, daß ich die neuen ein Stück weit besser finde.
Die alten haben den anarchischen Charme, der im Fernsehfilm Turtles Forever so herrlich auf die Schippe genommen wird. Die ganze Serie nimmt sich nicht Ernst und dementsprechend haben die Charaktere auch nicht einen großen Tiefgang. Der Erzfeind Shredder verkommt oft zur Witzfigur, bei der man sich fragt, wie er überhaupt soweit gekommen ist. Die Serie ist leichte kost, aber ich hab immer darauf hingefiebert und das Titellied (gesungen von Frank Zander) hab ich leidenschaftlich mitgesungen. Und auch heute noch geniese ich jede Folge. Und dann kamen die "Neuen".
Sie sind härter, kantiger und gehen weiter als ihre alten Kollegen. Gewalt und Tod werden zwar nicht explizit behandelt (mein Stand: 1. Staffel), werden aber immer wieder angesprochen. Die einzelnen Turtles zeigen ihre unterschiedlichen Charaktere noch deutlicher, vorallem Raphael weicht deutlich vom Vorgänger ab. Es wurden auch an anderen Stellen Änderungen an den Charakteren vorgenommen, was aber alles in allem sehr stimmig ist und die Charaktere dadurch noch besser in die Geschichte miteinbindet. Die Geschichten an sich sind stärker mit einander verwoben und es gibt öfters größere Spezials, die dann über zwei, drei oder mehr Folgen gehen.
Wer wie ich die abgedrehten Sprüche und den Humor bei den Turtles geliebt hat, wird auch bei den neuen Grünhäuten nicht enttäuscht. Michelangelo ist immer noch der Clown der Truppe und vorallem durch das ernstere Setting kann er dadurch manche Situation herrlich auflockern und es bindet sich schön ins gesamte Gefüge mit ein. Vor allem wie der grummlige Hitzkopf Raphael auf die Sprüche reagiert ist immer wieder schön zu sehen.
Noch kurz zu den Animationen. Ich hab bei Remakes immer die Befürchtung, daß auf billige Art versucht wird, noch ein wenig Geld aus beliebten Sachen zu pressen, doch bin ich (wie schon bei He-Man) mehr als positiv überrascht, wie viel Herzblut die Leute da reingesteckt haben. Die Geschichten sind klasse und die Zeichnungen haben mich voll überzeugt. Die Bewegungen sind flüssig und vorallem die Kampfszenen haben mich schwer beeindruckt. Nur selten sind mir Wiederholungen aufgefallen. Alle mir bisher bekannten Charaktere bekamen ein passendes Facelifting und wurden der Zeit angepaßt. Wenn ich ehrlich bin, bin ich vorallem bei April sehr froh darum. *g* Einziger (sehr kleiner) Wermutstropfen ist Meister Splinter, dessen Design mir nicht ganz so gut gefällt wie das alte, da er jetzt so ausschaut, als würde er die ganze Zeit lächeln und das halt auch bei Situationen, in denen er Ernst ist. Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit. Ansonsten darf er jetzt endlich zeigen, warum er der Sensei ist und das er wirklich was am Kasten hat. In der alten Serie wurde er immer wieder von Gegnern überwältigt, die für die Turtles kein Problem waren.
Zu guter Letzt, was einfach absolut klasse ist und für mich zeigt, daß da Leute am Werk waren, die die alte Serie gemocht haben, sind die vielen kleinen Anspielungen. Wenn April (in der neuen Fassung Wissenschaftlerin) sich in einen gelben Anzug schmeißt und sich als Reporterin ausgibt, dann schlägt mein Nostalgieherz höher. *g*
Soviel dazu. Wer die Möglichkeit hat und Turtlesfan ist, der sollte unbedingt mal reinschauen, es lohnt sich. Wie schon geschrieben, wurden nur zwei Staffeln bisher ins deutsche übersetzt und bei RTL II wurde anscheindend auch wieder fleißig geschnippselt, darum meine Empfehlung: Schaut es Euch gleich auf Englisch an.
Cya
Papa Rabe w^v^w
Dienstag, 4. Mai 2010
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