Freitag, 5. Februar 2010

Das Schiff langsam wieder auf Kurs bringen

Hallo lieber Leser und danke für Eure Geduld.

Zwar steck ich immer noch voll im Lernstreß, aber wenigstens hab ich jetzt endlich die Prüfungszeit erreicht und schon das Meiste hinter mich gebracht.
Um wieder ein wenig Leben hier rein zu bringen und zu zeigen, daß wir TBE nicht vergessen haben (ganz im Gegenteil), möchte ich wenigstens schon mal den Blog wieder etwas beleben.

TBE behandelt das reale Leben und welche Abzweigungen sich daraus ergeben können. Ganz gleich ob durch Träume oder ob die kreativen Gedanken im Wachzustand zuschlagen, es wird jedenfalls nie langweilig. Damit das auch weiterhin so bleibt wollen die kleinen grauen Zellen versorgt werden. Und vielleicht finden nicht nur wir (oder in diesem Fall ich, das Federvieh) die Bücher, Filme, etc. gut. Deshalb wirds an dieser Stelle mal den etwas anderen Einblick in die privaten Sphären der Macher hinter dem Comic geben. Lernt uns Kennen durch das, was uns so begeistert.

Den Anfang macht ein Buch, daß mir in den letzten Wochen die dringend benötigte Entspannung (neben den wundervollen Massagen von meiner Frau) gebracht hat und mich aber auf der anderen Seite ziemlich gefesselt und zum Nachdenken gebracht hat:

Die Nachhut von Hans Waal

Kurze Beschreibung (hanswaal.wordpress.com/)
Als der letzte Büchsenöffner abbricht, kommt es in einem geheimen Bunker nahe dem Autobahndreieck Wittstock zur Meuterei: Nach mehr als 60 Jahren unter der Erde ist die eiserne Disziplin von vier alten Männern der Waffen-SS endgültig aufgebraucht und sie beschließen befehlswidrig den Ausstieg. Ans Tageslicht treten vier schwer bewaffnete Gespenster der Vergangenheit. Verfolgt von begeisterten Neonazis, Ärzten, Polizei und sensationsgeilen Journalisten, schlagen sich die verstörten Opas durch ein mindestens ebenso verstörtes Deutschland der Gegenwart bis in die „Reichshauptstadt“ durch…

Ich muß ehrlich gestehen, daß ich mir das Buch in dem Gedanken gekauft hatte, eine lustige Komödie ala Frühling für Hitler (The Producers) von Mel Brooks in Händen zu halten. Also einfach Hirn abschalten und Lachen. Der Anfang las sich auch genau so. Nach ein paar Seiten war ich dann aber etwas enttäuscht und befürchtete einen von den hochgefeierten neuen Romanen in Händen zu halten, mit denen ich nichts anfangen kann. Solche, die durch "ihre neue Art" Seitenweise über Tweedjacken schreiben und das dann als besonders tolle Gesellschaftskritik verstanden wird. Jedem das seine, aber ich hatte mich einmal der FOS wegen durch so etwas durchgequält und muß sowas nicht nochmal haben. Aber die Angst verflog sich bereits zwei Seiten später und als ich das Buch am Ende durch hatte, war und bin ich restlos begeistert davon.

Was gefällt mir nu an dem Buch so gut? Vorweg muß ich sagen, daß ich mich mit dem Thema zweiter Weltkrieg und Vergangenheitsbewältigung immer wieder beschäftige. Mich stört schon seit langem die Art und Weise, wie mit diesem Thema umgegangen wird und mit welcher Art und Weise versucht wird, das Thema zu verarbeiten. Man bekommt unwirkliche Zahlenkolonen ans Hirn geschmissen und die Personen und Taten werden auf eine Art an die Leute gebracht, daß sie schon längst nicht mehr real erscheinen können. Hitler wird als der Teufel in Person dargestellt und dadurch derart entfremdet, daß er für die einen nicht realer ist, als ein Bösewicht aus einem Kinofilm und für die anderen diesen nervenkitzelverbreitenden Glanz einer Mythenfigur bekommt. Einerseits bekommt man wie zu Adam und Eva's Zeiten eine Erbschuld aufgedrückt, auf der anderen Seite wird eine offene Diskussion, die Versucht alle Facetten zu beleuchten gescheut.

Und nun les ich dieses Buch, in dem 4 Hauptakteure ihre einzelnen Sichtweisen schildern. Einer der oben genannten Opas, der als treuer SS Mann sein gesamtes Leben dem Führer verschrieben hat. Eine extreme Antifaschistin, welche aus der Nachkriegsgeneration entsprungen jedem Phantom des Faschismus hinterherjagd. Und einen kleinen Assistenten eines Kameramanns, der ziemlich meine Generation ist und der nicht recht weis, was er nun denken soll und darf.

Wenn man sich darauf einläßt, kommen diese drei Generationen auf eine lustige, aber auch sehr nachdenkliche Weise jeder zu Wort. Selbst der SS Opa wird nicht als das Monster ohne Gesicht und Namen, sondern als eigenständige Person dargestellt. Man bekommt einen Einblick in verschiedene Extreme und erst durch diese kann man einen Weg dazwischen wirklich finden.

Ich jedenfalls kann dieses Buch wirklich jedem herzlichst empfehlen. Es ist endlich ein Buch zu diesem Thema, das sich die Mühe macht und keine vorgefertigte Meinung dem Leser ins Hirn prügelt, sondern zum Nachdenken anregt und das auf eine wirklich amüsante Art und Weise.

Die Seite vom Autor Hans Waal - Das Buch bei Amazon

Soweit von mir, ich rühr mich auf alle Fälle in ein paar Tagen wieder, dann mit etwas leichterer Kost. =D

Bis denne

Papa Rabe w^v^w

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